i

Was ist ein Trauma?

Das Wort „Trauma“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet übersetzt „Wunde“ oder „Verletzung“. In der Psychologie versteht man darunter eine schwere seelische Verletzung, die durch ein extrem belastendes oder lebensbedrohliches Ereignis ausgelöst wird.

• Wichtig: Ein Trauma ist nicht das Ereignis selbst, sondern die psychische und nervliche Wunde, die danach zurückbleibt (durch unvollständige Verarbeitung im Gehirn).

Woran erkenne ich ein Trauma?

Trauma kann sich auf körperlicher, emotionaler und psychischer Ebene zeigen.

◌

Körper

  • Schlafstörungen oder Albträume
  • Innere Unruhe und Anspannung
  • Erhöhte Schreckhaftigkeit
  • Herzklopfen und Stressreaktionen
  • Erschöpfung
♡

Emotionen

  • Angst und Unsicherheit
  • Reizbarkeit und Überforderung
  • Schuld- oder Schamgefühle
  • Emotionale Leere, sich abgetrennt fühlen
  • ein Gefühl von Unwirklichkeit
  • Schwierigkeiten mit Gefühlen
◉

Wahrnehmung & Verhalten

  • Vermeidung bestimmter Situationen
  • Aufdrängende Erinnerungen
  • Flashbacks
  • Erhöhte Wachsamkeit
  • Dissoziative Zustände
↔

Beziehungen & Alltag

  • Schwierigkeiten mit Nähe/Distanz
  • Vertrauensprobleme
  • Sozialer Rückzug
  • Kontrollbedürfnis
  • Probleme im Alltag

Welche Formen von Trauma gibt es?

Eine wichtige Unterscheidung betrifft Häufigkeit, Dauer und Art der traumatischen Belastung. Darin wird zwischen Monotrauma (Typ 1) und Komplextrauma (Typ 2) unterschieden.

MONOTRAUMA

Ein einzelnes Ereignis

Häufig steht ein einzelnes, zeitlich begrenztes Ereignis im Zusammenhang mit der traumatischen Belastung.

Beispiele
  • Schwerer Verkehrsunfall
  • Einmaliger körperlicher Übergriff
  • Naturkatastrophe
  • Schwerer Arbeitsunfall
  • Lebensbedrohliches Ereignis
KOMPLEXTRAUMA

Wiederholt oder langandauernd

Typischerweise entstehen komplexe traumatische Belastungen durch wiederholte oder länger andauernde Erfahrungen.

Beispiele
  • Langanhaltende Gewalt
  • Wiederholter Missbrauch
  • Chronische Vernachlässigung
  • Gefangenschaft oder Ausbeutung
  • Gewalt in Abhängigkeitssystemen
akkumuliertes Trauma

Wiederholte oder langandauernde seelische Mikroverletzungen

Akkumulierte traumatische Belastungen können entstehen, wenn sich wiederholt belastende Erfahrungen über einen längeren Zeitraum hinweg aneinanderreihen. Die einzelnen Situationen mögen für sich genommen nicht ausreichen, um eine Traumatisierung auszulösen. In ihrer Häufung und durch das wiederholte Erleben von Hilflosigkeit, Kontrollverlust oder Überforderung können sie jedoch zu einer zunehmenden psychischen Belastung führen. Auch eine Sekundärtraumatisierung kann im Zusammenhang mit einer länger andauernden, kumulativen Belastung stehen. Sie kann beispielsweise bei Menschen entstehen, die wiederholt mit den traumatischen Erfahrungen anderer konfrontiert sind. Mögliche Folgen können unter anderem emotionale Erschöpfung, Mitgefühlserschöpfung, erhöhte Belastung und traumabezogene Symptome sein.

Beispiele
  • wiederholte Überlastung und Überforderungen am Arbeitsplatz
  • Wiederholtes Mobbing, Ausgrenzung oder Abwertung
  • Dauerhafte Partnerschaftskonflikte mit wiederkehrendem Erleben von Hilflosigkeit oder Kontrollverlust
  • Fortwährendes Mikromanagement und der Verlust von Handlungsspielräumen
  • Über längere Zeit wiederholtes Arbeiten über die eigenen Belastungsgrenzen hinaus, beispielsweise in Gesundheits- und Pflegeberufen
  • Wiederholte Konfrontation mit schweren Schicksalen oder traumatischen Erlebnissen anderer Menschen, beispielsweise in sozialen, medizinischen oder helfenden Berufen

Man-made oder akzidentelles Trauma, die Unterschiede:

Auch die Ursache eines traumatischen Ereignisses kann unterschiedlich sein.

MAN-MADE

Durch Menschen verursacht

Die traumatische Erfahrung wird durch andere Menschen verursacht oder wesentlich durch menschliches Handeln geprägt.

Beispiele
  • Körperliche oder sexuelle Gewalt
  • Missbrauch
  • Folter
  • Krieg und Verfolgung
  • Terror und politische Gewalt
akzidentelles Trauma

Nicht durch Menschen verursacht

Die traumatische Erfahrung entsteht beispielsweise durch Naturereignisse, Unfälle oder andere nicht-menschliche Einflüsse. Es entsteht eine Verletzung oder ein extrem belastendes Ereignis, das zufällig, unvorhersehbar und ohne menschliche Absicht eintritt.

Beispiele
  • Erdbeben
  • Überschwemmungen
  • Schwere Stürme
  • Brände
  • Tierangriffe
i

Traumatische Erfahrungen können sich überschneiden

Ein Ereignis lässt sich nicht immer eindeutig einer einzigen Kategorie zuordnen. Beispielsweise kann ein traumatisches Ereignis gleichzeitig einmalig und durch Menschen verursacht sein. Auch mehrere unterschiedliche traumatische Erfahrungen können im Laufe des Lebens zusammentreffen.

Die dargestellten Kategorien und Anzeichen dienen der Orientierung und ersetzen keine medizinische oder psychotherapeutische Diagnostik.